Die Geschichte der Stadt Berlin


7.Jh-1319 I 1400 I 1700 I 2000 I 1933 I 1945

Slawen und Germanen

7.Jh. Slawische und germanische Stämme lassen sich im heutigen Berliner Raum nieder. Sie gründen die Siedlungen Spandau (Germanen) und Köpenick (Slawen).
1157 Der Askanierfürst Albrecht der Bär kämpft mit dem Köpenicker Slawenfürst Jaxa um die Vorherrschaft in Brandenburg und die Festung Spandau.
1197 Spandau wird erstmals urkundlich erwähnt. In der Spreeniederung entstehen die beiden Doppelstädt Berlin und Cölln.
Um 1230 Berlin und Cölln erhalten durch die Markgrafen Johann I. und Otto III. das brandenburgische Stadtrecht.
1237 Erste erhaltene urkundliche Erwähnung Cöllns und somit offizieller Geburtstag Berlins.
1239 Die Askanier erobern als letzte slawische Festung Köpenick.
1307 Die beiden Städte Berlin und Cölln bilden einen gemeinsamen Rat.
1319 Mit Markgraf Woldemar stirbt der letzte Askanierherrscher. Cölln-Berlin und die Mark Brandenburg fallen unter die Oberhoheit von Kaisern und Königen.
Die Hohenzollern
1411 Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg aus dem Haus der Hohenzollern kauft die Mark Brandenburg von König Sigismund.
1415 Friedrich VI. wird von König Sigismund zum Markgrafen von Brandenburg und zwei Jahre später zum Kurfürsten (Friedrich I.) ernannt.
1440 Friedrich II. tritt die Nachfolge seines Vaters in Brandenburg an und wählt Cölln-Berlin zu seiner Residenz, mit langfristigen Konsequenzen: Der Rat wird entmachtet und Berlin wird zur Beamtenstadt.
1470 Berlin wird unter Albrecht Achilles zum Regierungssitz der brandenburgischen Kurfürsten.
1539 Kurfürst Joachim II. Hektor tritt zum Protestantismus über. Die Cölln-Berliner Bürgerschaft tendierte schon vorher zu Luthers Thesen.
1618-48 Cölln-Berlin ist den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs ausgeliefert. Kurfürst Georg Wilhelm zieht es vor, sich hauptsächlich in seinem Herzogtum Preußen, in der dortigen Residenz Königsberg aufzuhalten.
1643 Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, der 1640 die Nachfolge seines Vaters antrat, kehrt aus Königsberg nach Cölln-Berlin zurück. Die Bevölkerung der Stadt war auf die Hälfte (6000 Einwohner) geschrumpft. Der Kurfürst lässt die Stadt zur Festung ausbauen.

1685 Nach Aufhebung des Edikts von Nantes, das den französischen Hugenotten Religionsfreiheit gewährt hatte, lädt Friedrich Wilhelm per Edikt von Potsdam über 5000 hugenottische Flüchtlinge nach Brandenburg und Cölln-Berlin.
1688 Der Sohn des Großen Kurfürsten, Friedrich III., tritt die Regierung an. Neue repräsentative Stadtviertel werden in Cölln-Berlin gebaut, wie die Friedrichstadt, Friedrichswerder und Dorotheenstadt, jeweils, wie auch Cölln und Berlin, mit eigener Verwaltung.
1695 Der Kurfürst lässt für seine Frau Charlotte ein Sommerschlösschen bauen, Charlottenburg. Die Kurfürstin selbst ruft mit dem Philosophen Leibniz später die Akademie der Wissenschaften ins Leben.
Der Aufstieg Preußens

1701 Friedrich III. krönt sich in Königsberg eigenhändig zum König und nennt sich fortan Friedrich I. in Preussen.
1710 Die fünf Teilstädte der Residenz werden per königlichem Dekret unter dem Namen Berlin vereinigt.
1713 Friedirch Wilhelm I., der sogenannte Soldatenkönig, distanziert sich von der repräsentativen Prachtentfaltung seines Vaters und macht sein Königreich zu einem straff organisierten Militärstaat. In Spandau und Potsdam entstehen Waffenfabriken. Obwohl er alles Soldatische liebt, zettelt er selbst nie einen Krieg an.

1740 Der musische und gebildete Sohn des Soldatenkönigs, Friedrich II., später der Große, bringt zwar einige Erleichterung in den straffen Militarismus, doch zum Musenstaat wird Preußen deswegen nicht. Er verstrickt sich kurz nach Regierungsantritt in die drei Schlesischen Kriege, durch die er sein Reich nicht nur beträchtlich erweitert, sondern auch die europäische Machtposition Preußens begründet. Darüber hinaus plant er das Forum Fridericianum, dessen erstes Bauwerk, die heutige Staatsoper, 1742 eröffnet wurde, und lässt sein Sommerschloss Sanssouci in Potsdam errichten.
1786 Als Friedrich der Große stirbt, hat Berlin 150.000 Einwohner und gehört nunmehr zu den europäischen Großstädten.
1791 Der Neffe und Nachfolger Friedrichs, Friedrich Wilhelm II., lässt Berlins Wahrzeichen errichten, das Brandenburger Tor.
1806 Napoleon marschiert in Berlin im Triumphzug ein. Friedrich Wilhelm III. und seine Gemahlin Luise, fliehen nach Königsberg. Berlin ist zwei Jahre lang fränzösische Garnisonsstadt. Die französische Besatzung führt immerhin zu einer zarten Emanzipation des Bürgertums.
1810 Die Berliner Universität, die heutige Humboldt-Universität, wird gegründet.
1812 Die jüdischen Preußen erhalten erweiterte Bürgerrechte, dürfen aber keine Beamten werden. Das geistige Leben blüht auf. Salons gebildeter Frauen wie Rahel Levin-Varnhagen, Henriette Herz oder Bettina von Arnim entwickeln sich zum Treffpunkt der geistigen und kulturellen Elite jener Zeit.
1848 Die Industrialisierung bringt zwar technischen Fortschritt mit sich, aber auch zunehmende Verelendung des Proletariats und mithin verschärfte soziale Spannungen. Am 18. März 1848 kommt es, nachdem das Militär während einer Kundgebung vor dem Stadtschloss auf die protestierenden Menschen geschossen hatte, zu blutigen Kämpfen zwischen Bevölkerung und Staatsmacht, die 216 Tote fordern. Für einige Monate wird zumindest die verlangte Restriktion der Presse- und Versammlungsfreiheit gelockert. Zwei Jahre später erhält Preußen eine Verfassung mit Dreiklassenwahlrecht.
Gründerzeit und Industriemetropole
1871 Nach dem siegreichen Krieg gegen Frankreich 1870/71 tragen die deutschen Fürsten dem Hohenzollern-König Wilhelm I. die Kaiserwürde an. Berlin wird Hauptstadt des deutschen Kaiserreichs. Die Gründerjahre, finanziert von französischen Reparationsgelder, führen zu einem ungeheuren wirtschaftlichen Aufschwung.
1879 In Berlin nimmt die erste elektrische Straßenbahn der Welt ihren Betrieb auf, und die Technische Universität wird gegründet.
1882 Die Berliner S-Bahn wird mit der Strecke zwischen Charlottenburg und Schlesischem Bahnhof, sowie mit einer 22 km langen Ringbahn um die Stadt herum eröffnet.
1902 Die erste U-Bahn wird in Betrieb genommen.
1907 Das Kaufhaus des Westens (DaDeWe) wird fertigestellt.
1914 Unter Kaiser Wilhelm II. tritt Preußen mit Begeisterung in den Ersten Weltkrieg ein.
Die Weimarer Republik

1918 Als im Winter 1917/18 ganz Berlin hungert, treten rund 300 000 Arbeiter in der Hauptstadt in den Ausstand. Am 9. November dankt Wilhelm II. ab. Der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann ruft vom Reichstag die Deutsche Republik aus, und der Spartakist Karl Liebknecht vom Stadtschloss die Freie Sozialistische Republik.
1919 Nach dem Ende des Krieges und der Hohenzollernherrschaft kommt es in Berlin zu blutigen Macht- und Straßenkämpfen. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg müssen untertauchen, werden aber wenig später von Regierungstruppen gefasst und ermordet. Die Parlamentarier haben sich aus dem unruhigen Berlin nach Weimar zurückgezogen, wo sie im August die Weimarer Verfassung verabschiedeten.
1920 Per Regierungsbeschlus werden sieben umliegende Städte, 59 Gemeinden und 27 Gutsbezirke zu Groß-Berlin zusammengelegt. Berlin hat dadurch auf einen Schlag rund vier Millionen Einwohner.

1926 Der Funkturm auf dem Messegelände wird fertiggestellt.
1929 Der "Schwarze Freitag", der große Börsenkrach, lässt die Arbeitslosigkeit und soziales Elend ungeahnte Ausmaße annehmen. In Berlin kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Rechtsnationalen und Sozialisten.
Berlin in der Nazizeit
1933 Am 30. Januar ernennt Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Am 27. Februar brennt der Reichstag, ein Ereignis, das den Nazis den Vorwand liefert, eine beispiellose Terrorwelle in Gang zu setzen. Im März bringt Hitler das Ermächtigungsgesetz durch, das die Verfassung außer Kraft setzt. Im Mai werden auf dem heutigen Bebelplatz neben der Staatsoper Bücher missliebiger Autoren verbrannt.
1936 Die XI. Olympischen Spiel finden in Berlin statt. Einige Monate wird für die Weltöffentlichkeit eine liberale Fassade in Szene gesetzt.
1938 In der Nacht zum 9. November werden auf Veranlassung Joseph Goebbels während der sogenannten Reichskrisallnacht unzählige jüdische Geschäfte und die Synagogen zerstört.
1939 Hitlers Truppen marschieren am 1. September in Polen ein und entzünden somit den Zweiten Weltkrieg.
1941 Zwei Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs beginnt die organisierte Massendeportation Berliner Juden in Konzentrationslager.
1942 Auf der Wannsee-Konferenz wird die systematische Ermordung der Juden beschlossen.
1943 Seit dem Winter 1943/44 wird Berlin flächendeckend bombardiert. Bis 1945 vergeht kein Tag ohne Fliegeralarm.
Neubeginn nach 1945

1945 Am 30. April begeht Hitler im Führerbunker Selbstmord. Am 8. Mai unterzeichnet die Wehrmacht im Stadtteil Karlshorst die bedingungslose Kapitulation. Berlin liegt in Schutt und Asche. Vier alliierte Stadtkommandanten, je ein Amerikaner, Engländer, Franzose und Russe, übernehmen die Macht über die ehemalige Reichshauptstadt.
1948 Von Juni 1948 bis Mai 1949 blockieren die Sowjets aus Protest gegen die Einführung der Währungsreform in den Westsektoren sämtliche Zufahrtswege nach Berlin. Die Stadt überlebt nur dank der Versorgung über eine Luftbrücke. In den Folgejahren werden die Westsektoren von den Alliierten zum "Schaufenster des Westens" ausgebaut, während der Ostsektor Hauptstadt der 1949 gegründeten DDR wird.

1953 Am 17. Juni protestieren Ostberliner Arbeiter u. a. für freie Wahlen und die Abschaffung der Sektorengrenzen. Sowjetische Panzer walzen den Aufstand nieder.

1961 Am 13. August beginnt die DDR mit dem Bau der Mauer. West-Berlin wird durch die Mauer zur Insel.
1971 Das am 3.9. unterzeichnete Viermächte-Abkommen legt den Status Berlins fest und gestattet immerhin streng kontrollierte Reisen von West- nach Ost-Berlin.
1987 In beiden Teilen Berlins wird die 750-Jahrfeier begangen.
1989 Nach monatelangen Unruhen in Ost-Berlin, wie auch in einigen anderen Städten der DDR, sowie nach der Öffnung der ungarisch-österreichischen Grenze und der Massenflucht zahlreicher DDR-Bürger werden die Berliner Mauerübergänge am 9. November geöffnet.
1990 Am 3. Oktober sind die beiden Teile Deutschlands wiedervereinigt.
1991 Der Bundestag beschließt am 20. Juni mit knapper Mehrheit, dass Berlin Hauptstadt und Regierungssitz des wiedervereinigten Deutschlands ist. In den folgenden Jahren beginnt der Um- oder Neubau von Regierungsbauten und der Umzug der Regierung.
1994 Die Alliierten verlassen Berlin.
2001 Eine Verwaltungsreform reduziert die 23 Berliner Bezirke auf zwölf.
2006 Der Berliner Hauptbahnhof ist fertiggestellt. Ein kolossaler Bau. Ein Glaspalast. Ein Kraftakt außergewöhnlicher architektonischer Ansprüche. Trotzdem ist die Kritik der Berliner am Bahnhof groß - und manchmal ungerecht.
Mit einer spektakulaeren Licht-Show wird der auch als Lehrter Bahnhof bekannte Verkehrsknotenpunkt am Freitag (26.05.) eroeffnet.


Quelle
Dumont-Reisetaschenbuch Berlin (ISBN 3-7701-5596-3)